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Der Fall Simon Paulus

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Wo ist Simon Paulus?

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Unweit vom Pforzheimer Wildpark, wo sonst Familien mit Kindern spazieren gehen, wo Hunde zwischen den Ästen herumtollen und Füchse und Rehe ihre Heimat finden, wo Bürger in eine Idylle der Natur eintauchen können – dort findet ein Waldarbeiter im Oktober 2018 eine Leiche. Der Tote ist der seit mehreren Wochen vermisste Birkenfelder Simon Paulus. Die Obduktion bestätigt den Verdacht der Ermittler: Tod durch Gewalteinwirkung.

Von Beginn an begleitet die "Pforzheimer Zeitung" den Fall und die Ermittlungsarbeiten der Soko "Wagner". Es ist einer der spektakulärsten Fälle der Region.

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Es ist ein über Monate andauerndes Rätsel, das für die Redaktion der "Pforzheimer Zeitung" (PZ) am Nachmittag des 31. August beginnt. Die Polizei veröffentlicht eine Vermisstensuche – ohne Foto, dafür aber mit untypischen Details, die auf einen außergewöhnlichen Fall hindeuten.

Dass der 50-jährige Simon Paulus erst vorgestern zuletzt gesehen wurde, hält die Polizei nicht davon ab, auf Hochtouren zu ermitteln. Der Grund: Schon jetzt kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Jäger Opfer einer Straftat wurde.

Mit ihm fehlen 30 Waffen 
Es ist bekannt, dass Paulus Sportschütze und Mitglied in einem Schützenverein ist. Auch seinen Jagdschein hat er frisch erworben. Mit dem Büchsenmacher und versierten Waffenspezialist verschwinden rund 30 legale Waffen. Die meisten davon sind Jagdwaffen. 

Anwohner berichten, sie hätten einen Streit mit Unbekannten mitbekommen, als sie den 50-Jährigen das letzte Mal gesehen haben. Nach dem Streit fuhr ein Auto davon – seit diesem Moment ist Paulus verschwunden. Und mit ihm seine scharfen Waffen, die möglicherweise in Teppichen eingewickelt die Wohnung verlassen haben, so ein Gerücht.



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Die Polizei veröffentlicht in der Vermisstenmeldung eine detaillierte Personenbeschreibung

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Simon Paulus ist demnach 50 Jahre alt, etwa 1,70 Meter groß und hat eine kräftige Figur. Der Vermisste hat braune, kurze Haare, einen Dreitagebart, teilweise schlechte Zähne, auf dem linken Unterarm eine kleine, blasse Kreuz-Tätowierung und eine kreisrunde Hautverfärbung zwischen den Schulterblättern. Der 50-Jährige  trägt meist einfarbige T-Shirts (schwarz, braun oder grün), einen grünen Bundeswehr-Pullover und schwarze Stiefel. 

Die körperlichen Merkmale sind es, die die Ermittler der Soko rund vier Wochen später  – noch bevor das Obduktionsergebnis bekannt ist – darauf schließen lassen, dass die Leiche im Wald Simon Paulus ist. 

Paulus wohnt zum Zeitpunkt seines Verschwindens noch nicht allzu lange in Gräfenhausen. Die PZ-Redakteure recherchieren im Bekanntenkreis weiter: Der 50-Jährige wird zwar immer als Eigenbrötler charakterisiert, doch er hat Freunde und Bekannte. Die sagen, er sei ein ruhiger Typ und habe ein eher friedfertiges Naturell, allerdings reagiere er in bestimmten Situationen durchaus auch aufbrausend und impulsiv. Das Problem von Paulus sei nicht erst jetzt gewesen, sich "mit falschen Freunden" eingelassen zu haben. 

Die, die ihn kennen, sagen, er habe Auto und Katze zurückgelassen – und das sei für ihn äußerst ungewöhnlich. Außerdem sei er auf seinem Smartphone nicht mehr zu erreichen. Man habe ihn mehrfach angerufen und erstaunlicherweise nach einem Tag Zeitverzögerung eine automatisierte Mitteilung erhalten, dass er jetzt wieder erreichbar sei. Dies sei aber definitiv nicht der Fall. 
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Die Suche

Neue Details der Polizei erschüttern die Region. Beamte der Kriminaltechnik finden Blutspuren vor dem Eingang zur Wohnung von Simon Paulus, die ebenerdig zum Garten hin liegt. Die genaue Menge ist nicht klar, da es schon teilweise ins Erdreich gesickert ist. Das Blut stammt eindeutig von dem Büchsenmacher. Die Polizei geht davon aus, dass Paulus schon hier massiv Gewalt angetan wurde. 

Was jetzt klar ist
An diesem Tag gibt die Kriminalpolizei auch weitere Einzelheiten zum Verschwinden von Simon Paulus bekannt: Paulus ist bei einem metallverarbeitenden Unternehmen in Pforzheim beschäftigt. Dort heißt es: "Herr Paulus ist am Mittwoch (29. August) um 16.30 Uhr in den Feierabend gegangen und am Donnerstag nicht mehr am Arbeitsplatz erschienen." Seine Arbeitskollegen können sich keinen Reim auf sein Verschwinden machen. 




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Eine Woche nach dem Verschwinden rätseln die Ermittler weiter über den Verbleib des 50-Jährigen. Besondere Aufmerksamkeit bekommt die zivile Version des US-amerikanischen Sturmgewehrs M 16, eine AR-15. Auch solch eine Waffe sei im Besitz des Büchsenmachers gewesen – und jetzt mit ihm verschwunden.

Die AR-15 ist ein halbautomatisches Sturmgewehr. Diese Halbautomatik kann man in Deutschland etwa als Jäger legal kaufen. Die AR-15 gilt in Sammlerkreisen als begehrte Waffe, genießt allerdings international auch einen zweifelhaften Ruf, da sie schon oft bei Massentötungen von Amokläufern in den USA zum Einsatz kam.

Es ist dieses Gewehr und vor allem dessen Verschwinden, das den Bekannten besonders Kopfzerbrechen bereiten würde. Beim Polizeipräsidium Karlsruhe heißt es auf Anfrage der Redaktion, dass man zu den legalen Waffen des Vermissten keine Angaben mache, also auch nicht bestätige, dass sich eine AR-15 im Besitz des Gräfenhäusers befunden habe. 
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Beim Kriminalkommissariat Pforzheim wird die Sonderkommission "Wagner" mit insgesamt 40 Beamten gebildet. Zunächst geht sie 83 Hinweisen nach. 

Fünf Tage nachdem die Polizei die erste Vermisstenmeldung veröffentlichte, durchkämmen rund 20 Beamte von Bereitschaftspolizei und Kripo ein Waldstück zwischen Ellmendingen und Auerbach. "Bislang haben sich allerdings daraus keine weitergehenden Erkenntnisse ergeben", teilt die Polizei mit. 

Warum gerade dort?
Dazu macht die Polizei keine Angaben. "Irgendwo müssen wir ja anfangen", sagt eine Polizeisprecherin. Die PZ-Redaktion vermutet, dass das Waldstück mit etwas Abstand das erste auf dem Weg von Gräfenhausen zur A8 in Richtung Karlsruhe ist. Dort stehen möglichen Tätern schnelle Fluchtwege offen. 

Bereits zwei Tage zuvor hatte sich ein Hubschrauber über Gräfenhausen an der Suche beteiligt. Im Laufe der Ermittlungen sind auch schon Suchhunde im direkten Wohnumfeld Paulus' im Einsatz gewesen. 
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Über 200 Stunden nach dem Verschwinden des Büchsenmachers veröffentlicht die Polizei Bilder von Simon Paulus.

Man habe zunächst die Persönlichkeitsrechte des Mannes wahren wollen, begründen die Beamten ihre Entscheidung. Schließlich sei auch denkbar gewesen, dass er freiwillig an einen unbekannten Ort gegangen sei – trotz des Blutes, das gefunden wurde.
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Ein Hubschrauber kreist in der Nacht vom 17. auf den 18. September über Dobel. Gegen 22 Uhr hat ein Zeuge einen Mann mit schweren Verletzungen neben der Landesstraße nach Bad Herrenalb gefunden. Nach PZ-Informationen hat der Mann drei Schusswunden erlitten – zwei davon am Kopf. Der verständigte Notarzt kann nur noch den Tod feststellen. Die Kriminalpolizei beginnt sofort mit der Spurensicherung. 

Lange hüllt sich die Polizei während der laufenden Ermittlungen und Spurensuche in Schweigen. Dann am späten Nachmittag die Überraschung: "Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen, dass es sich bei dem Opfer um den vermissten Simon Paulus aus Birkenfeld-Gräfenhausen handelt", teilt die Polizei mit.

Opfer kann einer Vermisstenmeldung zugeordnet werden 
Bei der Kriminalpolizei wird die Sonderkommission "Tanne" mit 34 Beamten eingerichtet. Die Staatsanwaltschaft ordnet eine Obduktion an. 
Einen Tag später steht fest, wer das Opfer ist: ein 47-jähriger Iraker, der im Stadtkreis Baden-Baden wohnte und in Rastatt einen Autohandel betrieben hat.


Einen Durchbruch vermeldet die Polizei am 16. Oktober. Die Ermittler der Soko nehmen zwei Tatverdächtige fest: einen 34-jährigen Mazedonier und einen 48-jährigen Syrer.

Fünf Monate später, am 20. März, erhebt die Staatsanwaltschaft Tübingen gegen die beiden Männer Mordanklage.  Den gemeinsamen Plan, den 47-Jährigen zu töten, sollen die beiden Beschuldigten gefasst haben, nachdem das spätere Opfer angedroht hatte, Anzeige wegen mehrerer Betrugsstraftaten, an welchen die beiden beteiligt gewesen sein sollen, zu erstatten. Am 12. April beginnt der Mordprozess vor dem Tübinger Landgericht und wird schnell vertagt.



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Mit einer Drohne sucht die Polizei den Kelterner Steinbruch ab.
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Die Polizei startet am 10. September eine weitere Suchaktion. Rund 30 Beamte sind im Einsatz und suchen nach einem Hinweis. Besonders die Ränder sämtlicher Ausfallstraßen in Gräfenhausen werden durchforstet. Die Hoffnung ist offensichtlich, dass mögliche Täter auf ihrer Flucht etwas aus dem Auto geworfen haben könnten.

Auch diese Suchaktion bleibt offenbar ohne Erfolg. Doch die Soko versichert: Es wird weiter gesucht – nach der kleinsten Spur, die helfen könnte, Simon Paulus zu finden. Man sei in einem sehr frühen Stadium der Ermittlungen zu einem möglichen Tötungsdelikt, sagt ein Polizeisprecher an diesem Montag gegenüber der PZ. 

Suche wird nicht eingestellt: Drohne im Einsatz
Es ist ein Freitag, als die Polizei am 28. September die nächste Suche startet. Dieses Mal haben die Beamten eine Drohne dabei, die sie im näheren Umfeld des Wohnbereiches von Simon Paulus fliegen lassen. Drei Stunden lang durchforsten sie den Bereich der Regelbaumstraße zwischen Birkenfeld und dem Ersinger Kreuz. Insbesondere der Kelterner Steinbruch ist im Visier der Ermittler. Warum gerade dort – das ist nicht bekannt.

Klar ist aber: Weil die Laubbäume langsam ihre Blätter verlieren, erhofft sich die Polizei aus der Vogelperspektive weitere Hinweise auf einen möglichen Fluchtweg der vermeintlichen Täter. Die Hoffnung wird enttäuscht: "Die neuerlichen Bemühungen aus der Luft ergaben keine neuen Erkenntnisse", heißt es vonseiten der Polizei. 



Mit einer Drohne sucht die Polizei den Kelterner Steinbruch ab.
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Das Interesse an dem Fall ist mittlerweile riesig –  auch überregionale Medien berichten. Die Polizei entschließt sich, eine Pressekonferenz am 2. Oktober zu veranstalten, um über den aktuellen Ermittlungsstand zu informieren. 

An diesem Dienstagmittag stehen Uwe Carl, Leiter des Kriminalkommissariats Pforzheim (rechts), und Ulrich Conle, Leiter der Ermittlungen der Sonderkommission (Zweiter von rechts) am Mikrofon. Carl berichtet von dem, was die Polizei am 30. August in der Wohnung vorfand: "Es herrschte keine große Unordnung, aber die Waffenschränke waren offen gestanden und leer."

Die Schränke wurden mit einem Schlüssel geöffnet. Dem Schlüssel, den Simon Paulus immer bei sich trug. Der Wert der verschwundenen Waffen liegt nach Einschätzung der Beamten bei unter 100.000 Euro. Die Munition ist noch da. 

Der 50-Jährige wird in diesem Moment seit über vier Wochen vermisst. Vieles spricht für ein Kapitalverbrechen, so die Polizei. Daher veröffentlicht sie nun auch ein Foto des Anwesens des Vermissten. "Es spricht nicht viel dafür, dass wir von einem spontanen Fremdtäter ausgehen müssen." Wahrscheinlich habe vorher bereits Kontakt bestanden. 

Conle gibt im Interview mit der PZ weitere Details bekannt... 
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Just in dem Moment, als die Pforzheimer Kriminalpolizei noch vor Fernsehkameras und Radiomikrofonen Fragen beantwortet, wird im Hagenschieß-Wald eine Leiche gefunden.

"Man fährt ja mit einer Leiche oder einem Schwerverletzten im Kofferraum nicht ewig durch die Gegend", hatte Ulrich Conle kurz zuvor bei der Pressekonferenz gesagt. Jetzt ist klar: Mindestens eine halbe Stunde müssen die Täter unterwegs gewesen sein.
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Der schreckliche Fund

Ein Waldarbeiter findet zufällig den leblosen Körper und ruft sofort die Polizei. Der Fundort ist keine zehn Meter von einem Forstweg entfernt zwischen lichten Bäumen. Das Gelände wird großräumig abgesperrt.

Mit weißen Anzügen und Mundschutz machen sich sechs Kriminaltechniker aus Pforzheim und Karlsruhe umgehend ans Werk, Spuren zu sichern. Zwei der Beamten sind mit Schaufeln dabei, den Körper auszugraben. Verwesungsgeruch liegt in der Luft. 

In welchem Zustand der Leichnam ist, dazu macht die Polizei keine Angaben. Aber: "Wir gehen davon aus, dass die Leiche schon seit längerer Zeit an dieser Stelle lag", sagt Polizeisprecher Frank Otruba.

Der Körper war etwa knietief vergraben. "Gut vorstellbar, dass er von Wildschweinen oder Füchsen teilweise wieder freigelegt wurde, die riechen das", sagt ein Jagdexperte am Tag danach zur PZ.

Auch PZ-Redakteur Sven Bernhagen ist an diesem Tag vor Ort...
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Es ist der Tag der Deutschen Einheit: Zahlreiche Spaziergänger sind dort unterwegs, wo am Tag zuvor eine Leiche entdeckt wurde. Nur noch eine schwarze Mülltüte in einer Grube und rot-weißes Flatterband zeugen vom gestrigen Polizeieinsatz. 

Die Kripo Pforzheim geht schnell davon aus, dass es sich bei der Leiche um Paulus handelt. Die Soko "Wagner" steht jetzt vor einem Rätsel, das sich durch den Fundort noch schwieriger gestaltet als zuvor: Zum einen ist das Waldstück sehr belebt und auch am späten Abend ist auf den zahlreichen Waldwegen noch mit Passanten zu rechnen. Zum anderen ist die Lage äußerst ungewöhnlich. 
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Die Täter haben offensichtlich das Risiko auf sich genommen, quer durch Pforzheim zu fahren – denn anders ist der Fundort von Birkenfeld her kaum zu erreichen.

Weitere Fragen ergeben sich: Hatten die Täter Ortskenntnisse? Oder wurde die Stelle zufällig ausgewählt? Wann wurde der 50-jährige Jäger im Hagenschieß-Wald vergraben? Noch in der Nacht seines Verschwindens oder erst später?
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Wo sonst Scharen von Spaziergängern entlang schlendern, wo Jogger und Mountainbiker unterwegs sind und Hundebesitzer ihre Vierbeiner Gassi führen – dort ist am Donnerstag, 4. Oktober, kein Durchkommen mehr. Vier Mannschaftsbusse der Polizei stehen auf dem Waldweg.

Im äußerst belebten Waldstück unweit des Wanderparkplatzes an der Tiefenbronner Straße zwischen dem Pforzheimer Wildpark und dem Waldkindergarten sucht die Polizei nach Hinweisen, möglichen Fehlern, die den Tätern unterlaufen sein könnten. Rund drei Stunden dauert die Aktion.

Nachdem Kriminaltechniker am Dienstag die Spuren beim direkten Fundort der Leiche gesichert haben, machen sich Beamte noch einmal daran, das 100 mal 300 Meter große Waldstück systematisch zu durchkämmen. 

Keine hundert Meter weiter spielen Kinder in einem Lager im Wald.
"Wer ist der Räuber?", schallen die Rufe der tobenden Bande durch den Wald - vermutlich nicht ahnend, was gerade direkt nebenan passiert.


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Eine DNA-Untersuchung und die Obduktion in der Rechtsmedizin Heidelberg bestätigen zweifelsfrei: Bei der gefundenen Leiche handelt es sich um Simon Paulus aus Gräfenhausen. Das teilen Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag gemeinsam mit.

Laut Rechtsmedizin kam Paulus "durch Gewalteinwirkung zu Tode". Angaben über die genaue Todesursache werden "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht gemacht. 
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Ermittlungen auf Hochtouren

In sozialen Medien verwendet der Waffenspezialist Paulus gerne Motive wie dieses.
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Gibt es außer der Wohnung in Gräfenhausen noch eine weitere, in der der Büchsenmacher Waffen gelagert hat? Zunächst streitet die Polizei das ab. Doch auf eine erneute PZ-Nachfrage folgt jetzt die Bestätigung:
In Herrenberg, wo die Mutter lebt, habe man bereits Anfang September zahlreiche großkalibrige Waffen in einer Wohnung gefunden und sichergestellt.

Sie wären "sicher auch für Kriminelle interessant gewesen", so Polizeisprecher Frank Otruba. Darunter waren offenbar auch automatische Waffen, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen und in Deutschland für Privatleute verboten sind. Aber: "Wir gehen davon aus, dass dort nichts gefehlt hat", sagt Otruba. Die Waffen seien laut Polizei hinter einer Tür versteckt gewesen, waren aber wohl nicht besonders schwer zu finden.

Neben dem Grundstück samt Gartenhäuschen bei Herrenberg seien auch noch andere Räumlichkeiten, die Paulus zuzuordnen waren, nach Waffen durchsucht worden. Allerdings ergebnislos, teilt die Polizei mit. Ob – wie der PZ zugetragen wurde – auch die Wohnung von Paulus' Ex-Freundin in Pforzheim darunter war, dazu gibt die Polizei keine Auskunft.

Ist Paulus "an die falschen Leute geraten"?

Aus dem Umfeld des Getöteten ist zu hören, dass Paulus nach seiner Ausbildung vor rund 20 Jahren schon einmal mit Berufsverbot als Büchsenmacher belegt gewesen sei. Schon damals seien Waffen bei ihm gefunden worden, die nicht in seinem Besitz hätten sein dürfen.

Seine "Sammelwut" habe zuletzt auch dazu geführt, dass er finanziell klamm gewesen sei. Paulus habe deshalb wohl auch einige Waffen illegal repariert, Dekowaffen wieder tauglich gemacht und verschachert, um an Geld zu kommen. Dabei sei er definitiv "an die falschen Leute geraten" – Typen aus der kriminellen Szene, keine politischen Extremisten, wie ein Bekannter verdeutlicht. Die Frage, ob sie Hinweise darauf hat, dass Paulus in Waffengeschäfte verstrickt war, verneint die Polizei weiter.

Es gibt Stimmen aus Paulus Umfeld, die im verschwundenen Sturmgewehr AR-15 nach wie vor einen entscheidenden Schlüssel für die Tat und somit das ausschlaggebende Motiv der Täter sehen. Die AR-15 sei ein ganz besonderes Objekt der Begierde: für legale Waffennarren ebenso wie für Kriminelle.
In sozialen Medien verwendet der Waffenspezialist Paulus gerne Motive wie dieses.
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Die Suche nach einem möglichen Motiv und den möglichen Tätern geht weiter. Mit welchen Typen hatte Simon Paulus zu tun? Was wurde ihm zum Verhängnis?

PZ-Informationen zufolge weisen die Spuren ins Rockermilieu. So sei er mit mehreren Personen, die offensichtlich einer Motorradgang angehörten, auf dem Schießstand beobachtet worden. "Die Typen haben nach 500 Jahren Knast ausgesehen", so die Aussage gegenüber der PZ.

Verbindungen habe Paulus vor allem ins Schwäbische gehabt. Die Polizei will – wie zu so vielen Punkten – "aus ermittlungstaktischen Gründen" keine Angaben zu möglichen Verbindungen in die Rockerszene machen. 
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Zahlreiche SEK-Mitglieder sind zwei Wochen nach dem Leichenfund auf dem Gelände des Polizeireviers Nord zu sehen. Sie sind schwer bewaffnet – ein ungewöhnlicher Anblick. Um was es geht, dazu gibt die Polizei keine Auskunft.

Einen Tag später wird bei einer Pressekonferenz klar, weshalb sie im Einsatz waren. 

Ein Großaufgebot nimmt an diesem Dienstag in Pforzheim zwei Tatverdächtige im Fall Simon Paulus fest: einen 29-jährigen Italiener und einen 26-jährigen Deutschen. Vier Objekte in Pforzheim durchsucht die Polizei an diesem Tag, zahlreiche Beweise werden gesichert. 

Warum erfolgt der Zugriff gerade jetzt?
Im Rahmen der Ermittlungen decken die Beamten offenbar eine weitere Straftat auf. Der Italiener und der Deutsche sollen gemeinsam mit einem Dritten einen brutalen Raubüberfall im Enzkreis geplant haben. Um dieser Tat zuvorzukommen, greifen die Polizisten ein.

Neben den beiden Tatverdächtigen im Fall Paulus nehmen sie noch einen 26-jährigen Griechen fest, der ausschließlich an dem neuen Fall beteiligt sein soll.




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Wie kam die Polizei auf die drei Männer?

Bei der Pressekonferenz zur Festnahme der drei Männer erklären die Ermittler, dass Spuren, die am Tatort in Paulus' Wohnung sichergestellt wurden, zu dem 29-jährigen Italiener geführt haben. Er ist ein früherer langjähriger Nachbar von Paulus.

Laut Informationen aus dem Freundeskreis von Paulus, die der Redaktion vorliegen, führen die Spuren des Italieners in den Pforzheimer Westen. Paulus habe demnach lange in Maihälden gewohnt, bevor er nach Gräfenhausen umgezogen sei.

Was allerdings noch immer fehlt, sind die verschwundenen Waffen. Ob sie eine Rolle bei dem geplanten Raubüberfall gespielt haben, dazu sagt die Polizei nichts. Medienberichte, wonach Paulus früher in illegale Waffengeschäfte verwickelt war, kann die Polizei an diesem Tag nicht bestätigen. Über aktuellen Waffenhandel habe man keinerlei Erkenntnisse. Bei Paulus gelte, so Uwe Carl: "Er ist das Opfer."
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Es ist ein großer Erfolg, der der Soko "Wagner" mit den Festnahmen gelingt – doch der Fall ist aus polizeilicher Sicht noch lange nicht abgeschlossen. 

Sechs Wochen nach dem Verschwinden von Simon Paulus und zwei Wochen nach dem Fund seiner Leiche im Hagenschieß sitzen jetzt zwei Tatverdächtige aus Pforzheim in Untersuchungshaft. Der Vorwurf lautet auf Mord und gemeinschaftlichen Raub mit Todesfolge. Vor dem Haftrichter machen sie keine Aussagen. 

"Der nächste Schritt wird wohl sein, dass ihre Anwälte Akteneinsicht beantragen", sagt Polizeisprecher Frank Otruba. Dann werde sich zeigen, ob die Beschuldigten möglicherweise doch Angaben zu den Vorwürfen des Mordes und des gemeinschaftlichen Raubs machen. "Wir werten jetzt unter anderem sichergestellte Kommunikationsmittel wie Handys oder Computer aus", so Otruba.




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Am 5. November teilen Polizei und Staatsanwaltschaft mit, dass zwei der Verdächtigen unter Auflagen wieder auf freiem Fuß sind. "Die Haftprüfung hat bei ihnen ergeben, dass Haftgründe wie Flucht-, Wiederholungs- oder Verdunklungsgefahr nicht mehr gegeben sind", sagt Polizeisprecher Frank Otruba. "Was den geplanten Raubüberfall angeht, waren sie geständig und haben umfangreiche Aussagen gemacht."

Bereits am 29. Oktober sei deshalb ein 26-jähriger Grieche aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Anhaltspunkte für ein Mitwirken am Tötungsdelikt Paulus habe es bei ihm zu keinem Zeitpunkt gegeben, so die Polizei.

Am 5. November folgt die Entlassung eines 26-jährigen Deutschen. Der Mann hatte nach bisherigen Erkenntnissen dem italienischen Hauptverdächtigen für die Zeit des Verschwindens von Paulus ein Alibi gegeben und war deshalb in den Fokus der Ermittler geraten. Ihm kann allerdings nicht nachgewiesen werden, dass er am eigentlichen Tatgeschehen in Gräfenhausen beteiligt war. 
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Ein seltener Anblick kurz nach 11 Uhr am Donnerstag, 8. November, für die wenigen Passanten auf dem Inselsteg zwischen Emma-Jaeger- und Pflügerstraße: Unten, in der Enz, waten Taucher der Wasserschutzpolizei des Präsidiums Einsatz in wasser- und kälteabweisenden Anzügen im Fluss, halten immer wieder die Köpfe unter Wasser. Sie suchen nach etwas Bestimmtem.

Bald werden die Taucher fündig: Nach PZ-Informationen fischen sie nach eineinhalb Stunden einen Revolver und einen elektronischen Datenträger aus der braunen Brühe.

Die erste Antwort auf die Anfrage bei der Pressestelle des Polizeipräsidiums Karlsruhe fällt dürr aus – man habe möglicherweise etwas gefunden, das im Zusammenhang stehe "mit dem Jäger". Im Klartext: mit dem mutmaßlich getöteten Gräfenhausener Jäger, Büchsenmacher und Waffensammler Simon Paulus. 

Eine offizielle Bestätigung, welche Gegenstände nun in der Enz gefunden wurden und ob sie dem Fall zuzuordnen sind, gibt es am Nachmittag weder von der Polizei noch der Pforzheimer Staatsanwaltschaft. 

Ob die Suchaktion in der Enz überhaupt mit dem Fall Paulus in Zusammenhang steht, möchte die Polizei am 15. November nicht mehr bestätigen. Einen Monat später stellt sie sogar klar: Der Revolver, die drei Mobiltelefone und die Festplatte seien ein Zufallsfund und hätten nichts mit dem Fall Paulus zu tun. Zwar hätten Hinweise im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt die Beamten gezielt an die Enz geführt, aber die Aktion habe nicht die erhofften Funde gebracht...
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Lange bleiben die beiden Verdächtigen nicht auf freiem Fuß. Am 6. Dezember geben Polizei und Staatsanwaltschaft bekannt, dass der 26-jährige Grieche und der 26 Jahre alte Deutsche erneut festgenommen wurden. Das "hat aber mit der zweiten Tat, also dem geplanten Raubüberfall, zu tun", sagt Polizeisprecher Frank Otruba. Mehr Details gibt er nicht bekannt. Es sei zu keiner Ermittlungspanne gekommen – vielmehr habe die Soko neue belastende Erkenntnisse gewonnen. 

Vierter Verdächtiger festgenommen
Nur wenige Tage später, am 11. Dezember, geht der Polizei ein weiterer Verdächtiger ins Netz – der vierte im Fall. An einem Dienstagmorgen wird der 42-jährige Deutsche in Pforzheim festgenommen. Wie die Soko dem Mann auf die Spur gekommen ist, wollen die Ermittler nicht sagen.

Der 42-Jährige stammt laut Polizei aus dem Umfeld des Italieners und steht im Verdacht, an der Tötung von Paulus und der Beseitigung der Leiche im Hagenschieß-Wald (Foto) beteiligt gewesen zu sein. 




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Hinweise an die PZ-Redaktion klären am 23. Dezember möglicherweise die Verbindung der Verdächtigen zueinander auf. Parallel zur Verhaftung des 42-jährigen Deutschen hat es auch eine Durchsuchung bei einem Sportverein in Pforzheim gegeben, die Räume an eine Kampfsportschule vermietet hatte. 

Nach Hinweisen von Beteiligten stehen diese beiden Polizeieinsätze in direkter Verbindung. Eine offizielle Bestätigung seitens der Ermittler oder der Staatsanwaltschaft gibt es aber aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. 

Der festgenommene 42-Jährige soll einer der Kampfsportler sein, die in den Räumen des Sportvereins aktiv waren. Ebenso soll der italienische Hauptverdächtige Kontakte zur Kampfsportschule gehabt haben. Inzwischen habe sich der 42-Jährige, der in Untersuchungshaft sitzt, auch zur Sache geäußert, bestätigt Polizeisprecher Frank Otruba. Zum Inhalt der Aussage macht er allerdings keine Angaben. 
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Vorbereitung auf den Prozess

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Die Soko „Wagner“ hat ihre Arbeit getan –  zum 31. Januar wird sie offiziell aufgelöst. Am 5. Februar – 160 Tage nach dem Verschwinden von Simon Paulus – übergibt die Polizei die Akten im Fall Paulus an die Pforzheimer Staatsanwaltschaft.

Deren Aufgabe ist es, die Unterlagen zu prüfen und dann zu entscheiden, für welche Delikte die Verdächtigen angeklagt werden. Es ist eine dicke Akte: Zu sichten sind rund 16.000 Seiten – Zeugenvernehmungen, Gutachten, Fahndungsmaßnahmen.

In den kommenden Wochen gibt die Staatsanwaltschaft etliche Details bekannt, die vorher mit Verweis auf "ermittlungstaktische Gründe" unter Verschluss gehalten wurden. Verstörende Details, die das ganze Ausmaß der kriminellen Energie der Beteiligten zeigen. 
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Details zum geplanten Raubüberfall

Eine 60-jährige Frau, die im Enzkreis wohnt, sollte das Opfer des 29-jährigen Italieners und der zwei 26-Jährigen – ein Grieche und ein Deutscher – werden. Das gibt die Polizei im Abschlussbericht bekannt, als sie die Akten an die Staatsanwaltschaft übergibt. Die Beamten gehen von einer Tat aus Habgier mit Tötungsabsicht aus. Der 29-jährige Haupttatverdächtige schweigt weiter.

Details zu den verschwundenen Waffen
„Es besteht der Verdacht, dass die Waffen außer Landes geschafft wurden“, sagt Polizeisprecher Frank Otruba. Nach dem Verschwinden von Paulus' hatte der 29-jährige Italiener angezeigt, dass ihm sein Auto im Urlaub gestohlen wurde. Im September wurde das Auto ausgebrannt in Italien gefunden. Zwei Ermittler der Soko „Wagner“ machten sich auf den Weg nach Rom.

Die Polizei geht davon aus, dass das Tatfahrzeug zur Spurenvernichtung vorsätzlich in Brand gesetzt wurde. Ob das Auto auch in Rom gefunden wurde, oder nur dort untersucht, dazu macht die Polizei keine Angaben.
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42 Tage, nachdem die Polizei die Akten an die Staatsanwaltschaft übergeben hat, erhebt diese im Fall Paulus offiziell Anklage gegen die vier Verdächtigen. Jetzt ist klar: Im Zuge der Ermittlungen zur Tötung von Simon Paulus ist die Polizei anderen schlimmen Verbrechen auf die Spur gekommen.

Der inzwischen 30-jährige Italiener aus Pforzheim wird angeklagt wegen Mordes in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge. Erstmals konkretisiert die Staatsanwaltschaft die Todesursache: „Mittels massiver Gewalteinwirkung gegen den Kopf“ ist Simon Paulus getötet worden. Anschließend soll der Italiener rund zwei Dutzend Schusswaffen des Sportschützen entwendet haben. „Wir gehen davon aus, dass er von Anfang an geplant hat, ihn umzubringen“, so Regina Schmid, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Völlig überraschend ein weiterer schwerer Vorwurf: Der 30-Jährige wird zudem wegen Vergewaltigung in vier Fällen und „sexuellem Missbrauch mit Waffen“ in einem Fall angeklagt. Zwischen Ende Juni 2017 und Anfang Juni 2018 soll er in Pforzheim sexuelle Handlungen an einer ihm bekannten Frau vorgenommen haben, während diese schlief. Darauf sei die Polizei im Laufe ihrer Ermittlungen gestoßen. Seine Taten soll er gefilmt haben.

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Neben dem Mord an Paulus und den Vergewaltigungen wird dem 30-Jährigen vorgeworfen, zusammen mit dem inzwischen 27-jährigen Deutschen und dem 26-jährigen Griechen – beide ebenfalls aus Pforzheim – vorgehabt zu haben, eine Frau aus dem persönlichen Umfeld des Griechen in deren Haus im östlichen Enzkreis umzubringen und dabei deren Suizid vorzutäuschen. So habe das Trio an ein erhofftes Erbe gelangen und Wertgegenstände der Frau entwenden wollen.

In der Nacht auf Montag, 15.Oktober, sollen die Drei versucht haben, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Als sie erkannt hätten, dass ihr Vorhaben wohl scheitern würde, hätten sie es jedoch noch abgebrochen. Die betroffene 60-Jährige sei nicht zu Schaden gekommen. Zum Glück, denn die Polizei habe erst nach dem gescheiterten Plan Kenntnis vom Vorhaben des Trios erlangt, dann aber sofort zugegriffen, so Schmid.

Alle drei Beteiligten werden in diesem Fall wegen versuchten Mordes und versuchten Raubs mit Todesfolge angeklagt. 

Dem 27-jährigen Tatverdächtigen wird außerdem zur Last gelegt, dem Haupttatverdächtigen beim Vergraben von Paulus’ Leiche geholfen zu haben. Er wird deshalb zudem wegen Strafvereitelung angeklagt. Ebenso wie der 42-jährige Deutsche, der dem Hauptverdächtigen geholfen haben soll, Paulus’ Körper und die Waffen mit dem Auto aus Gräfenhausen abzutransportieren. Er wird deshalb auch wegen Beihilfe zum Raub angeklagt.


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Der Hauptverdächtige: ein 30-jähriger Italiener aus Pforzheim
Er ist ein früherer langjähriger Nachbar von Simon Paulus. DNA-Spuren am Tatort haben zu ihm geführt.
Das wird ihm vorgeworfen: Er tötet Simon Paulus Ende August mittels Gewalteinwirkung gegen den Kopf. Anschließend stiehlt er rund zwei Dutzend Waffen. Gemeinsam mit einem Komplizen lädt er den Leichnam von Paulus und die Schusswaffen in ein Fahrzeug. Mit einem weiteren Tatverdächtigen vergräbt er die Leiche im Hagenschieß. 
Weitere Straftaten: Der 30-Jährige soll mehrmals eine schlafende Frau vergewaltigt und die Taten gefilmt haben. Außerdem soll er mit zwei weiteren Männern einen Raubüberfall geplant haben, bei dem eine 60-Jährige getötet werden sollte. 

2. Verdächtiger: ein 27-jähriger Deutscher
Er gerät in den Fokus der Ermittler, weil er dem Italiener ein falsches Alibi für das Verschwinden von Paulus gibt.
Das wird ihm vorgeworfen: Neben dem falschen Alibi hilft er dem Hauptverdächtigen, die Leiche im Wald zu vergraben. Zudem plant er einen Raub und einen Mord mit den beiden anderen Verdächtigen. 

3. Verdächtiger: ein 26-jähriger Grieche
Er soll nichts mit dem Fall Simon Paulus zu tun haben.
Das wird ihm vorgeworfen: Mit dem Italiener und dem 27-jährigen Deutschen plant er in der Nacht auf den 15. Oktober 2018, eine 60 Jahre alte Frau aus seinem persönlichen Umfeld umzubringen und ihren Selbstmord vorzutäuschen. Dadurch will das Trio an ein erhofftes Erbe gelangen und Wertgegenstände aus dem Haus der Frau stehlen. Sie brechen ihr Vorhaben allerdings ab, weil es zu scheitern droht. 

4. Verdächtiger: ein 42-jähriger Deutscher
Er soll ein Kampfsportler sein und stammt aus dem Umfeld des Italieners.
Das wird ihm vorgeworfen: Er hilft dem Hauptverdächtigen, den Leichnam von Simon Paulus und die gestohlenen Schusswaffen in ein Fahrzeug zu laden und wegzufahren. 
Zum Motiv kann er offenbar keine Angaben machen, er wurde wohl erst zur Entsorgung der Leiche dazugeholt. 

Zum Anfang
- Wie wurde Simon Paulus genau umgebracht?
- Wie kam die Polizei auf die Verdächtigen und auf das zweite Verbrechen?
- Wo sind die Waffen?
- Was sagen die Verdächtigen, die sich geäußert haben?
- Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Italiener und dem Vergewaltigungsopfer?
Zum Anfang
Jetzt steht es fest: Am 29. April beginnt der Prozess im Fall Paulus – und es wird ein Mammutprozess.

Voraussichtlich vier Monate lang wird er das Karlsruher Landgericht nach der Anklageverlesung beschäftigen. 15 Hauptverhandlungstage unter Vorsitz von Richter Leonhard Schmidt sind bis Mitte August angesetzt.

Sollte das für die Zeugenvernehmung und anderes nicht ausreichen, hält sich das Gericht sechs weitere Reservetermine bis Mitte September frei.
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