Hinweis

Für dieses multimediale Reportage-Format nutzen wir neben Texten und Fotos auch Audios und Videos. Daher sollten die Lautsprecher des Systems eingeschaltet sein.

Mit dem Mausrad oder den Pfeiltasten auf der Tastatur wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Durch Wischen wird die jeweils nächste Kapitelseite aufgerufen.

Los geht's

Das Band fürs Leben

Logo https://multimedia.pz-news.de/das-band-furs-leben

Das Band fürs Leben

Text & Gestaltung:
Anke Baumgärtel

Foto & Video:
Thomas Meyer
Zum Anfang
Ihre Erfindung könnte das Nachtleben revolutionieren: Die Studenten Kim Eisenmann und Sven Häuser haben das Armband „Xantus“ entwickelt, mit dem Getränke auf K.o.-Tropfen getestet werden können. Der Anlass der Idee ist ein trauriger.
Zum Anfang
0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang
Acht Monate später brachte die 25-Jährige, die Wirtschaftsingenieurwesen am KIT Karlsruhe studiert, das Armband „Xantus“ auf den Markt, mit dem sich K.o.-Tropfen in Getränken nachweisen lassen.
Gemeinsam mit dem 30-jährigen Sven Häuser, der die gleichen Vorlesungen an der Hochschule Pforzheim besucht.
Zum Anfang
0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang
Das sind Substanzen mit narkotisierender Wirkung, mit denen Täter ihr Opfer betäuben und damit wehrlos machen. Dazu zählen rund 100 Wirkstoffe, die sonst als Schlafmittel oder Partydroge eingenommen werden. Mit die gefährlichsten sind Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB, bekannt als Liquid Exstasy) und deren Vorstufe Gamma-Butyrolaceton (GBL), da es bei deren Überdosierung zu Atemstillstand und Tod kommen kann.
Die Tücke: GHB ist geschmacks- und geruchsneutral. Im Körper ist es schon nach zwölf Stunden nicht mehr nachweisbar. Gedächtnislücken der Betroffenen erschweren die Strafverfolgung zusätzlich.
Zum Anfang
Es ist selten, dass K.o.-Tropfen tatsächlich nachgewiesen werden können. Die jährlichen Fallzahlen, die der Polizei zu Straftaten im Zusammenhang mit der GHB-Vorstufe Gamma-Butyrolaceton vorliegen, sind daher verschwindend gering. Für 2018 ist kein einziger bekannt. In den Vorjahren waren es jeweils zwei, 2014 fünf Fälle, davon eine gefährliche Körperverletzung und vier Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz. Nimmt man sämtliche Betäubungsmittel her, waren es im vergangenen Jahr acht Fälle – allerdings im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe. „Das Problem ist, dass die meisten Wirkstoffe schnell im Körper abgebaut werden“, erklärt Polizeisprecher Florian Herr. Er vermutet, dass die tatsächliche Fallzahl höher ist.
Zum Anfang
0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang
Es sei das erste Armband, „mit dem man Getränke auf die bekanntesten K.o-Tropfen testen kann“, sagt Sebastian Bayer, als Geschäftsführer verantwortlich für das Ressort Marketing + Beschaffung beim dm-Drogeriemarkt, der das Band seit Anfang April im Onlineshop führt. „Wir werden die Nachfrage unserer Kunden beobachten und dann entscheiden, ob wir das Produkt auch in unseren dm-Märkten anbieten“, so Geschäftsführer Bayer.
Zum Anfang
Getestet haben Kim und Sven das Armband in einem Leipziger Labor für Rechtsmedizin mit gängigen Partygetränken wie Wein, Bier, Gin Tonic, Aperol Spritz oder Wodka Bull.
Der Vorteil: Sven ist Chemielaborant und hat bereits acht Jahre lang in seinem Beruf gearbeitet.
Und das Band hat noch eine weitere Funktion: „Es soll potenzielle Täter abschrecken. Es fällt durch sein grelles Weiß auf und leuchtet in der Disco", sagt Sven.
Zum Anfang
Mittlerweile bestehen Beziehungen nach Großbritannien, Österreich, Südafrika, Skandinavien und in die Schweiz. Apropos Partner: Kim und Sven, auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen, sind auch privat ein Paar. „Die Rolle als Geschäftspartner mussten wir aber erst finden“, gesteht Kim.
Zum Anfang
Und dennoch: Das Produkt polarisiert. Da sind die Feministinnen, die Kim und Sven „Victim Shaming“ vorwerfen. Sie kritisieren, sie gäben die Verantwortung an die Opfer ab. Aber auch viele Gastwirte hätten noch nicht verstanden, „dass mehr Sicherheit für sie ein Gewinn ist“, so Kim. Mit ihnen möchten die Unternehmer künftig kooperieren. Hinzu kämen jene, die den Einsatz von K.o.-Tropfen generell leugneten oder als Panikmache abtun. „Dabei entscheiden wenige Milliliter über Leben und Tod“, warnt Sven.
„Mit K.o.-Tropfen kann man jemanden umbringen.“
Zum Anfang
Betäubt jemand sein Opfer mit K.o.-Tropfen, liegt gefährliche Körperverletzung vor – oftmals in Verbindung mit einem Sexualdelikt. Aber auch das Vorbereiten und Servieren eines Getränks kann laut Staatsanwältin Regina Schmid bereits als versuchte gefährliche Körperverletzung gewertet werden. Der unerlaubte Besitz von GHB ist zudem ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz.
Zum Anfang
0:00
/
0:00
Video jetzt starten
Zum Anfang
Wenden sich Frauen in heiklen Situationen mit der Frage „Ist Luisa hier?“ an das Thekenpersonal, wird ihnen künftig auch im Pforzheimer Nachtleben sofort und diskret geholfen. So sieht es das Konzept des Hilfsangebots vor, das der Frauen-Notruf Münster 2016 initiiert hat und nun auch in Pforzheim gestartet ist. Erste Überlegungen gibt es hinsichtlich „Luisa“ auch für den Enzkreis.
www.luisa-ist-hier.de
Zum Anfang
Das Helios-Klinikum Pforzheim bietet in Zusammenarbeit mit der Stadt Pforzheim die vertrauliche Spurensicherung an. Mit der medizinischen Soforthilfe nach einer Vergewaltigung unterstützt das Krankenhaus Betroffene, um selbstbestimmt mit dieser schwierigen Situation umzugehen. Über eine Anzeige können die Betroffenen dann entscheiden, wann sie es für richtig halten.

www.helios-gesundheit.de/kliniken/pforzheim/notfall
Zum Anfang
Scrollen, um weiterzulesen Wischen, um weiterzulesen
Wischen, um Text einzublenden