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Abschied von einem Stück Wald

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Für die Erweiterung des Gewerbegebiets West in Neuhausen müssen rund sieben Hektar Wald weichen. Zwei Forstexperten stellen beim Streifzug durch die Winterlandschaft vor, durch welche Projekte dies ausgeglichen werden soll.
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ist mit das Schönste, was es gibt, findet Martin Fischer (rechts), der Leiter des Forstreviers Neuhausen-Nagoldtal. „Da hören Sie nichts, das schluckt alles“, sagt er. In die Stille hinein. Auch Andreas Roth, stellvertretender Forstamtsleiter des Enzkreises, lässt den Blick fast versonnen über die gepuderten Baumwipfel streifen. Darüber blauer Himmel, klare Luft, goldene Strahlen. Reine Welt. Friedvolle Welt.
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hat sich über das Biet gelegt, gibt knarzend unter den schweren Stiefeln der beiden Männer nach, die sich sicheren Schrittes ihren Weg in den Wald bahnen. Spuren im Schnee.

Ein Holzstab steckt im Boden, markiert in leuchtendem Rot die Grenze, bis zu der bald die Bäume einem neuen Gewerbegebiet weichen sollen. Die Gemeinde braucht mehr Fläche, um sich zu entwickeln. 55 Prozent der Gemarkung bestehen aus Wald – eine Erweiterung des Gewerbegebiets West entlang der Pforzheimer Straße ist anders nicht möglich.

Noch vor dem Frühjahr soll es soweit sein. Wann genau die Rodung beginnen soll, steht jedoch noch nicht fest. „Das hängt massiv vom Wetter ab“, sagt Fischer. Den Startschuss muss die untere Naturschutzbehörde im Landratsamt geben. „Es geht darum, die Auswirkungen auf den Naturhaushalt so gering wie möglich zu halten“, erklärt Roth. „Ein Eingriff ist das immer“, räumt er ein. Darum werde zumindest der Zeitpunkt mit der geringsten Beeinträchtigung für Pflanzen und Tiere abgepasst.
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Fischer kennt das Gebiet wie seine Westentasche. Seit 1995 ist er für den Gemeindewald zuständig, seit 1986 für den Staatsforst. Nun steht er in seinem Revier knöcheltief im Schnee und zeichnet auf einer Karte die Grenzen nach, die rund sieben Hektar umschließen, die fallen sollen.

Um das neue Gewerbegebiet soll sich ein 30 Meter breiter Waldrand schließen, der in Stufen aufgebaut ist – Raum für Sträucher, kleine und mittelgroße Bäume. Wertvoller etwa für Vögel als der dichte, hohe Bewuchs durch Fichten und Buchen.
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Das Gebiet  sei ein sehr kiefernreicher Nadel-Mischwald, erklärt Fischer. Spaziergänger nutzen es kaum – ein Rundweg führe außen herum. Für sie verschiebe sich der Zugang ins Grün lediglich ein Stück entlang der Pforzheimer Straße.

Vielleicht auch deshalb regt sich nicht wie andernorts Protest angesichts der bevorstehenden Rodung. „Das wird ganz unterschiedlich wahrgenommen“, sagt Roth. „Vielleicht kommt das auch noch, wenn die Maschinen schon fahren und die Motorsägen brummen“ – Roth will es nicht hoffen. „Ich leide auch darunter, wenn man Wald wegmacht“, sagt Fischer. „Aber wenn es nicht anders geht ...“
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für den Eingriff in die Natur liegen den beiden Forstexperten darum besonders am Herzen. Der Anspruch, sie alle in Neuhausen zu verwirklichen, ist geglückt – keine Selbstverständlichkeit. „Es war anspruchsvoll. Die Gemeinde hat schon relativ hochwertigen Wald“, erklärt Roth. Dennoch wurden vier Standorte gefunden, an denen Maßnahmen mit Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion umgesetzt werden sollen.

Nordöstlich von Steinegg an der Würm soll der Wald aufgewertet werden. Weg mit dichtem Fichtenbestand zugunsten von Edellaubholz wie Bergahorn oder Ulme. „Fichten direkt am Fluss machen sowieso keinen Sinn“, sagt Fischer. 2019 soll das Holz aus dem Wald, 2020 werde dann neu gepflanzt.
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habe man nach der Genehmigung Zeit, Ausgleichsmaßnahmen zu schaffen, erklärt Roth und stapft weiter voran durch den Schnee. So werde sich auch die Waldraumgestaltung am Galgenberg über zwei Jahre hinziehen. Dort besteht seit Anfang der 2000er-Jahre die Waldweidefläche Wacholderheide, die Schafe und Ziegen pflegen. Über dem Biotop liegt Weiß, wo zu anderen Zeiten Orchideen blühen und Wacholdersträucher sich entfalten. Dazwischen 180 Jahre alte Bäume, die auf dem Muschelkalkboden nur spärlich gedeihen.

Das Biotop soll erweitert werden. Ein naturnaher, gestufter Waldrand soll entlang der Straße entstehen. Im Innern ein Mosaik aus dichten und lichten, beweidbaren Flächen. Die Initialzündung soll das künstliche Entfernen von Bäumen sein – der Rest wird den Schafen überlassen. Der Standort sei wertvoll für eine Vernetzung mit den Biotopen auf dem Büchelberg und Richtung Simmozheim, damit Insekten und Vogelarten sich ausbreiten können und erhalten bleiben, erklärt Fischer.
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fällen zum Ausgleich dafür, dass man Bäume fällt? „Die Wertigkeit eines Waldes definiert sich nicht über die Zahl der Bäume“, erklärt Roth. „Es geht um die Wertigkeit des Biotops.“ Durch Naturverjüngung gebe es immer weniger lichte, warme Standorte im Wald. Aber genau diese bevorzugen manche Arten. „Und für die wollen wir was zun“, sagt er. Dennoch: „Es soll Wald bleiben, kein Park.“
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Vögel, Libellen, Wildbienen und andere Insekten ist gedacht. Im Wald zwischen Neuhausen und Schellbronn wird ein Biotop geschaffen. Tiefe, braune Furchen durchpflügen den Schnee, das Dröhnen eines Baggermotors durchbricht die Stille – eine Baustelle im Herzen des Winterwunderlands.

Die Formen der Tief- und Flachwasserzonen, der Ufer und einer keinen Insel zeigen sich schon im künftigen Himmelsteich, der von Niederschlag und einem alten Wassergraben gespeist wird. Der Standort in dem feuchten Gebiet ist ideal. Nur dort, ist Fischer überzeugt, werde das Biotop in Sommern wie 2018 nicht trockenfallen.
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„Im ersten Moment sieht es wüst aus“, gibt er zu – „in drei Jahren werden Sie das nicht mehr wiedererkennen“, verspricht er und beschwört ein Bild von Libellen, Froschlaich und sattem Grün herauf. Was sich aussät und ansiedelt, bestimmt die Natur. Fischer will sich nur darum kümmern, den Wald auf Abstand zu halten, um dem kleinen Idyll Licht und Luft zu lassen.

Eine Bank für Spaziergänger soll es an diesem Ort abseits der gängigen Waldwege nicht geben – hier hat die Natur Priorität. Und Fischer keine Lust auf Goldfische, Rotwangenschildkröten oder Signalkrebse im Biotop, die die heimischen Arten ausrotten.
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An Erholungssuchende ist in der Monbachschlucht gedacht. Der Hang wurde abgesichert, die Übergänge über den Bach instandgesetzt. Das Naturschutzgebiet war über die vergangenen Jahrzehnte forstlich voll bewirtschaftet worden. Nun soll eine mehr als zehn Hektar große Naturwaldzelle geschaffen werden, deren Entwicklung einzig der Natur überlassen werde.

Man habe die vergangenen 30 Jahre dazu genutzt, den Forst naturnäher zu gestalten, Fichten und Kiefern herauszunehmen. Nun vertraut der Förster darauf, dass der Wald den Rest selbst richten werde. „Ich bin ein Freund davon, die Natur machen zu lassen“, sagt Fischer.
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